Thomas Gerhards



Wettbewerbsbeitrag: Denkzeichen für Georg Elser in Berlin, 2010

Wettbewerbsbeitrag: Denkzeichen für Georg Elser in Berlin, 2010

Das Thema Georg Elser beinhaltet historische und moralische Aspekte. Vor allen Dingen sehe ich in dem Denkmal, neben der historischen Komponente, die Aufgabe eine künstlerisch zeitgemäße Aussage gegen Gewalt zu äußern. Das Denkmal und die Kunst wären wirkungslos, wenn es nur bei der historischen Sicht auf Gewalt stehen bliebe und nicht ebenso der Blick nach vorne gerichtet würde.
Ein Bombenattentat ist prinzipiell ein zu verurteilender radikaler Eingriff in politische Strukturen. Eine künstlerische Verarbeitung eines solchen Themas bedarf einer sensiblen und wohl reflektierten Haltung. Das Denkmal darf weder Gewalt noch Selbstjustiz verherrlichen. Der Tyrannenmord ist in unserer christlich geprägten Gesellschaft ethisch ein äußerst umstrittener Punkt.
Um Georg Elser als Widerstandskämpfer mit einem Denkmal zu würdigen, muss man sein Freiheitsbestreben, seinen Wunsch die Kette der Gewalt zu unterbrechen, seinen Mut zum Handeln und sein politisches Verantwortungsgefühl hervorheben.

Vor diesem Hintergrund schlage ich folgende Skulptur vor.
Ich möchte eine Glaswand mit den Ausmaßen von 2,50 Meter Höhe und 12 Meter Länge bestehend aus 10 einzelnen Scheiben errichten. Sie hat eine bräunlich transparente Färbung und tönt alles, was man dahinter sieht, optisch in Brauntöne. Auf dieser Glaswand steht der Name Georg Elser. Der Schriftzug ist farblos und transparent. Dies ist eine einfache aber inhaltlich und ästhetisch klar gefasste Gedenktafel. Mit ihren Ausmaßen trennt sie einen Teil des Straßenraumes vom „Alltagsfluss“. Korrespondierend zu der bräunlichen Glaswand ist der Boden mit rostigen Cortenstahlblechen gepflastert. Sie formen einen Platz und geben der Skulptur eine konzentrierte Aufmerksamkeit in dieser ansonsten unruhigen Umgebung.

Ein an der Wand abgestellter Rucksack ist die eigentliche Irritation der Skulptur. In unserer heutigen Zeit sind verlassene Gepäckstücke besorgniserregend und beinhalten aktuell immer die Möglichkeit des Attentates. Das Wissen um Georg Elser verstärkt assoziativ die Vermutung, dass es sich um eine Bombe handeln könnte. Hierdurch wird der Betrachter zur Reflexion aufgefordert: ist es ein Fundstück, ist es eine Bombe oder ist es Kunst? Diese beängstigende Situation macht klar, dass Gewalt allgegenwärtig ist und freiheitliche und demokratische Strukturen bedroht bzw. gefährdet.

Der Schriftzug und der Rucksack bilden zwei Punkte, die Fläche der Glasscheiben ästhetisch unterteilen, verbinden und eine bildhafte Komposition aufbauen. Wie zwei Kräftepunkte bekommen sie eine inhaltliche Bedeutung und Wirkung.

Thomas Gerhards

[ deutsch | english ]


Projektbeschreibung: Wettbewertbsbeitrag Thomas Gerhards (PDF-Dokument 74 KB)
Kulturwerk des bbk berlin GmbH: Offener zweiphasiger Kunstwettbewerb Denkzeichen Georg Elser in Berlin


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